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Good-bye, Galina (Intercity Vienna Art Orchestra)

Ein Stück von Zdenka Becker

Die Uraufführung des 'Monologs für fünf Stimmen' "Good-bye, Galina" ("Intercity Vienna Art Orchestra") fand am 27. März 2003 im Euro Theater Central Bonn statt.

Am 16. Juli 2002 um 20.30 Uhr wurde das Hörspiel "Intercity Vienna Art Orchestra" ("Good-bye, Galina") im Österreichischen Rundfunk Ö1 ausgestrahlt.
Besetzung:
Galina – Russin: Zdenka Becker
Jitka – Tschechin: Vlasta Grünwald
Darina – Slowakin: Jarmila Procova
Ilona – Ungarin: Angela Kenyeres
Agniezska – Polin: Danuta Kwiatkowska-Leopold
Regie: Alfred Pitertschatscher

Thema

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs sind nicht nur politische Grenzen gefallen, sondern auch menschliche Barrieren von einem Tag zum anderen verschwunden. Im Westen ist der Wohlstand und die Angst ihn zu verlieren, auf der anderen Seite der Hunger danach.
Täglich lesen wir in den Zeitungen Inserate folgenden Inhalts: "Brave Tschechinnen, Slowakinnen, Russinnen, Ungarinnen und Polinnen suchen österreichische Ehemänner. Häuslich, fleißig, kinderlieb, garantiert treu. Kontakt Agentur xxx, Telefon yyy."
Was ist mit den österreichischen Männern passiert? Es gibt doch genug Österreicherinnen, die einsam sind und auf die Liebe ihres Lebens warten. Warum erleben Ausländerinnen aus dem Osten einen solchen Boom?

Handlungsrahmen

Im Intercity Vienna Art Orchestra von Salzburg nach Wien sitzen fünf Frauen. Sie kennen einander nicht, trotzdem haben sie etwas gemeinsam. Sie alle kommen aus den ehemaligen Oststaaten, sie alle suchen per Agentur "Interlove" einen österreichischen Ehemann.

Weil sie wissen, was man von ihnen erwartet, passen sie sich den üblichen Klischees an. Die Tschechin muß Knödel kochen können, die Slowakin, die Krankenschwester, pflegt Männer jeden Alters, die Ungarin Ilona bietet sich als Kindermädchen an, die Polin preist ihre weiblichen Reize an. Die Russin Galina, die Intellektuelle, hat es am schwersten. Denn wer will schon eine Frau, die außer 2.000 Büchern und einem Diplom von der Lomonossow-Universität nichts mit in die Ehe bringt?

Doch der Fehlschlag ist vorprogrammiert. Die Tschechin kann nicht kochen, der Krankenschwester ekelt es vor dem Körperkontakt mit den Kranken, die Kindergärtnerin ist der Kinder müde, der Vamp ist gar kein Vamp, sondern eine, mit einem aufblasbaren Wonderbra ausgestattete junge Frau, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Kind.

"Intercity Vienna Art Orchestra" ist ein Monolog für fünf Stimmen. Die Geschichte wird von Galina, der Russin, erzählt. In diesem Fall reicht nur eine Geschichte, denn sie alle sind austauschbar. Jitka, Darina, Ilona und Agniezska sind Randfiguren, die die Handlung mit ihrer Anwesenheit und Aktivitäten unterstreichen, die aber in die Geschichte nicht eingreifen.

Geschichte

Galina, eine Lehrerin aus Moskau, 37, arbeitslos, Mutter eines 10-jährigen Sohnes, geschieden, sucht per Agentur "Interlove" einen Ehemann im Westen. Das Land, Alter, Stand, Beruf... egal. Sie bekommt viele Briefe, die meisten beantwortet sie, manche der Männer besucht sie.

Ihr erster Kandidat ist Robert, ein Amerikaner. Er hat sie aus dem Katalog von "Interlove" ausgesucht, weil sie seiner Jugendliebe fast aufs Haar gleicht. Er will, daß sie sich genauso kleidet, genauso spricht... daß sie genauso ist, wie sie. Robert ist 60 und unberührt. Er kennt das Geheimnis der körperlichen Liebe nicht. In seinem Alter ist er auch nicht mehr bereit dieses Wagnis auf sich zu nehmen.

Willi, der Wiener, besucht Galina in Moskau. Hier demonstriert er seine Macht. Das westliche Geld gibt ihm das Gefühl jemand zu sein und das genießt er. Er stellt sich nicht mit der Ergebenheit Galinas zufrieden, sondern sucht eine Prostituierte auf, die ihm zusätzlich das Gefühlt der Überlegenheit vermittelt.

Karl aus Linz ist Künstler. Er und seine Freunde "benützen" Galina, ohne daß sie es realisiert, als Sexobjekt. Daß Karl bisexuell ist, erfährt sie erst am nächsten Morgen. Trotzdem hält sie ihn für den aussichtsreichsten Kandidaten.

Galina ist nicht dumm. Sie befindet sich nur in einer ausweglosen Situation, die sie ihrem Sohn zuliebe meistern muß. Sie will um jeden Preis einen Mann aus dem Westen heiraten. Geschehe was geschehe...

Die vier Klischeefrauen (Köchin, Krankenschwester, Kindermädchen und Vamp) werden leichter, wenn auch mit einer Lüge, einen Mann finden. Galina, die Intellektuelle, ist immer noch auf der Suche. Da wird sich doch einer für sie finden... oder?

Nach und nach steigen die Frauen in den Intercity ein und hören sich die Geschichte Galinas an, die auch ihre Geschichte sein könnte. Am Zielbahnhof, Wien West, steigen sie alle aus und versuchen ihr Glück, denn Wien ist voller potentieller Ehemänner, die darauf warten, glücklich gemacht zu werden.

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