Via Perniciosa

von Dimitrios Diamantidis

Kurzgeschichten
Abbildungen: Lotar Martin Kamm
Verlag: Liber
Seiten: 254 Seiten
Erschienen: 1989
Preis: 4,90 EUR
ISBN: 3-88308-053-5

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Lesung mit dem griechischen Autor Dimitri in Limburgerhof

Unglaubliche Zufälle
Aus: "Die Rheinpfalz", Ludwigshafen, 2. Mai 1989

Jung dynamisch, erfolgreich: der Kunstverein MaLuKa ermöglicht unbekannten Kunstschaffenden den Sprung ins kalte Wasser. Kopf vor ins neugierige Publikum stürzte sich am Freitag Dimitri, griechischer Autor des Kurzgeschichtenbandes "Via Perniciosa", in der Limburgerhofer Gemeindebibliothek.

Knappe Kurzprosa im Zeitalter der Roman-Senkrechtstarter? Dimitri sorgt dafür, daß es auf 199 Seiten niemals langweilig wird. Sein Tip: "Alle Jahre wieder sollten Sie die Geschichten lesen!" An neuen Entdeckungen zwischen den Zeilen wird es da bestimmt nicht fehlen - so tiefgründig gewieft Dimitris Witz die Mundwinkel verziehen läßt, so penibel genau, so exakt durchdacht und doch nicht spießig-wissenschaftlich gebärdet sich sein Buch, Ergebnis vierjähriger Recherchen.

Der am 7. April 1959 in Saloniki geborene Autor - 1966 kam er nach Hessen in ein Königsteiner Internat - verblüfft mit einem ganz besonderen Verhältnis; nämlich jenem zur Zahl Sieben, die geradezu magisch, durch seine Geburtsdaten geistert. Relation, Teiler, Quotient, Wahrscheinlichkeitsrechnung - der junge Schriftsteller treibt sein Beweisspielchen herrlich weit. Doch am Anfang aller unglaublichen Zufälle stand das Muttermal an seinem linken, inneren Handgelenk, welches - überdurchschnittlich lesbar - die Sieben zeigte.

Die Geduld keinesfalls strapazierend, greift Dimitri schon mal in die autobiografische Lade. Er liebt die Gegensätze, schildert anschaulich, geradeso als würde er seinem besten Freund eine - wohlweislich säuberlich ersonnene - Geschichte erzählen. Da verweben sich Profitsucht, Wissensgier, Fanatismus, Ruhmsucht mit ihren konträren Polen.

"Via Perniciosa", "Wege in den Tod", beleuchtet die Schattenseite dieser Welt, visiert Mißstände mit dem Dimitri'schen Auge an, um illustrierend vorzubereiten auf einen Schluß, der oft überrascht, eine (Ge-)Denkpause erfordert. Der ihn Mannheim lebende Rockgitarrist und ehemalige Kunststudent teilt sich nun überwiegend in Worten mit. So arbeitet er seine Vergangenheit auf, beschwört mit "Bodos- Band" jene Tingel-Tingel-Atmosphäre herauf, die er lebhaft zu skizzieren weiß. Kleine Obszönitäten bleiben da nicht aus, aber bei Dimitri paßt eben das eine zum andern, gleich ob er sich über die Frage nach dem Sinn des Lebens ausläßt oder die Grenzen zwischen Traum und Realität verwischt. Wie hart und haßerfüllt Dimitri die deutsche Geschichte kritisiert, wurde deutlich in der Erzählung "Zyklus B", in der er "Gauaufteiler" und "Reichsschwätzer" anklagt, "ihre Krankheit zur Politik" erhoben zu haben.

In Limburgerhof las der Autor seine Texte teils selbst, teils wurden sie von Monika Teutsch vorgetragen. Wieder zeigte sich, welch gute Interpretationshilfe die Stimme des Verfassers geben kann. "Via Perniciosa" wird 1989 im Mainzer Liber Verlag erscheinen.

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